Dienstag, 26. November 2013

Markklößchen, ein entstaubter Klassiker

Meine wirklich allerliebste Suppeneinlage sind Markklößchen. 
Schon seit frühester Kindheit liebe ich die Markklößchensuppe von meiner Oma. Immer Samstags um Punkt Zwölf gab es bei meinen Großeltern "Samstagssuppe" mit Brötchen. Und auch wenn meine Oma jedes Mal fast entschuldigend sagte "Bei uns gibt's awwer heut nur Supp!", für mich war und ist die Samstagssuppe immer ein Highlight. 
Achtung, jetzt wird es für viele etwas gruselig, aber zu einer richtigen Samstagssuppe gehört ein Wasserweck mit grober Leberwurst der dann in die Suppe getunkt wird. Bei meinem Opa auch noch ordentlich Maggi, aber da so was nicht über unsere Küchenschwelle kommt gibt es die Samstagssuppe jetzt ohne Maggi. Das esse ich heute noch so und dafür würde ich (fast) alles Andere ohne weiteres stehen lassen. So, jetzt isses raus - mein guilty pleasure-Essen. Einzige würdige Alternative: Markklößchen und Weckbröckelscher (=Croutons) oder (eigentlich und/oder) Suppennudeln. 
Da ich jetzt aber in Mainz wohne und Oma und ihre Markklößchensuppe mehr als nur ein paar Treppenstufen entfernt sind, muss da eine andere Lösung her. Anfangs habe ich regelmäßig Markklößchen-Carepakete mitbekommen, die ich dann einfach auftauen konnte. Inzwischen habe ich Omas Rezept für Markklößchen mitgeschrieben und nach und nach schmecken sie immer mehr wie daheim. 

Gerade jetzt wo es langsam richtig Winter wird und die Tage immer kürzer und kälter, finde ich es toll auch ein paar Markklößchen im Gefrierfach zu haben um mir ganz schnelle eine leckere wärmende Suppe machen zu können.


Markklößchensuppe


Ich friere die Klößchen gerne so ein, dass ich sie später einzeln aus dem Beutel entnehmen kann. Unser Gefrierfach ist sehr klein, deshalb habe ich meist nur für eine kleine zusätzliche Dose mit Deckel Platz, in der ich die Markklößchen nach und nach anfriere bevor ich sie in den Beutel gebe. So kleben sie nicht zusammen. Meine Markklößchensuppe möchte ich gerne bei Julias Event "Entstaubte Klassiker" einreihen, auch wenn ich am Rezept nicht wirklich etwas verändert habe. Denn ich habe noch nirgends so leckere Markklößchen wie bei meiner Oma gegessen und die gehören meiner Meinung nach ordentlich entstaubt und viel öfter aufgetischt!
Außerdem, welches Event würde sich besser eignen um auch hier im Blog mal wieder ordentlich durchzupusten und frisch entstaubt loszulegen?!


Zutaten:

Markknochen vom Rind bzw. nur das Knochenmark wenn ihr es beim Metzger so bekommt
Brötchen vom Vortag (etwa ein halbes Brötchen pro 30g Mark)
Evtl. etwas Milch zum Einweichen
1 Eigelb, evtl. ein Wenig vom Eiweiß
Etwas Weckmehl/Semmelbrösel
Petersilie, fein gehackt
Muskat, Salz



Zubereitung:

Das Brötchen in etwas Milch oder Wasser einweichen und beiseite stellen.
Nun das aus den Knochen gedrückte Mark in einer Pfanne zerlassen. Wenn das nicht klappt, entweder mit einem kleinen Löffel nachhelfen oder den ganzen Knochen bei niedriger Hitze mit in die Pfanne geben und das erwärmte Mark dann mit einem Löffel herauskratzen. 

Ist alles Mark zerlassen, durch ein Sieb mit Passiertuch oder Küchnkrepp geben um eventuelle Knochensplitterchen herauszufiltern. 


Wenn ich viele Knochen habe, lasse ich oft einen ganzen Schwung Mark auf einmal aus und verteile es in kleine Gefäße, so hält es sich im Kühlschrank eine ganze Weile, lässt sich aber auch gut einfrieren. Auch bereits durchgesiebtes Mark sollte noch einmal erwärmt werden, ist es noch kalt verändert ihr die Konsistenz der Klößchen so dass sie in der heißen Suppe einfach zerfallen (been there, done that…).



Die eingeweichten Brötchen gut ausdrücken und zusammen mit dem Eigelb, der gehackten Petersilie und Muskat sowie Salz zum Knochenmark geben. Mit der Menge auf den Fotos habe ich eine ganze Großproduktion gestartet! Ein Eigelb und eventuell etwas Eiweiß reichen für ein halbes Brötchen und ca. 30g Mark - das entspricht ungefähr der Menge aus zwei Markknochen wie sie in Rinderbeinscheiben sind. Bei Markklößchen wie bei anderen Klößen ist es immer auch ein bisschen Gefühlssache die richtige Konsistenz zu finden.

Achtung, bevor ihr mit dem verkneten loslegt, stellt euch schon mal die Dose mit dem Weckmehl und einem Löffel drin bereit. Die Finger werden vom verkneten ordentlich fettig und klebrig! Jetzt geht's los, alles ordentlich durchkneten und miteinander vermengen und nach und nach so viel Weckmehl dazu geben, dass sich aus der Masse gerade Klößchen formen lassen. Sollte sie zu trocken sein, noch etwas Eiweiß dazu geben.


Suppeneinlage


Ich kühle die Markklößchen danach erst gut im Kühlschrank (oder bei dem Wetter auf der Fensterbank) durch und friere sie dann in einem Beutel ein.
Und wenn ich dann besonders durchgefroren bin, nehme ich sie aus dem Gefrierfach, lasse sie in der simmernden Brühe durchziehen und fühle mich wieder wie in Omas Esszimmer :-)





Danke Julia, dass du mich mit dem Event endlich motiviert hast mal wieder Markklößchen zu machen und einigen alten Rezepten noch mal auf den Zahn zu fühlen. Eine tolle Idee von einer ganz tollen Bloggerin! Ich bin sehr froh dass du deine Blog-Unlust verworfen hast und weiter machst!
Und Danke Oma, für das Rezept und 26 Jahre Samstagssuppe :)